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HO HO HO



Krass. Morgen ist Weihnachten. Es ist seltsam. Ich weiß, wie jedes Jahr. “Man, man wie die Zeit vergeht” und “Schon wieder ein Jahr rum. Wahnsinn!”. Aber diesmal ist es anders. Ich sitze in einer Wohnung, irgendwo im Wedding. Und der Fakt, dass ich “eine” statt “meine” sage, beschreibt es schon fast. Auch dass ich gleich schreibe “meine Untermieterin” statt “Mitbewohnerin” macht es nicht besser: Meine Untermieterin macht sich nämlich gerade Gemüsestäbchen. Das ist für euch genauso interessant, wie der Geruch dieser Dinger. Aber genau das ist es. Vieles ist uninteressant. Alles ist distanzierter. Oder nicht vorhanden: Schnee, die Freude auf Zuhause, das Gefühl für Weihnachten oder generell ein Gefühl für die Zeit, für das Jetzt. Ja, vermutlich habt ihr jetzt eher so einen “Tatsächlich, Liebe-Post” erwartet. Sorry. Fuck me. Vor einem Jahr habe ich aus Kartoffelbreipulver Klöße gezaubert, Roasted Pork geschmort und Mohrrüben geschnippelt. Und dass alles bei 30 Grad. Ich hatte kein Weihnachtsgefühl. Aber das war ok. Weil ich distanziert war. Weg von scheinheiligen “Friede-Freude-Eierkuchen”-Szenarien. Weg von egoistischen Mindgames, die schnell mal für zweieinhalb Tage auf Stop gestellt werden. Ich war glücklich. Ich war glücklich distanziert zu sein. Warum klappt es nicht, dass ich jetzt glücklich bin? Weil distanziert bin ich. Ok, geografisch nicht, aber seelisch. Shit. Was für ein Bullshit.
Vielleicht ist es einfach die Zeit. Das JahresENDE. Man bereitet sich vor auf ein Ende und denkt zurück an den Anfang. Irgendeine Analyse muss passieren. So ist das. So muss das sein. Und dann wird verglichen. Meistens mit besseren Dingen. Manchmal mit schlechteren Dingen. Vielleicht kommt das noch, das Vergleichen mit den schlechteren Dingen… vielleicht muss ich mich dazu zwingen. Oder vielleicht auch einfach nur mal Wachrütteln.
Ok, ich könnte es so sehen: letztes Jahr hatte ich nicht einmal die Chance meine Familie zu sehen. Ich freue mich auf meine Neffen. Doch wirklich. Diese kleinen Bastarde. Dieses Jahr gibt es echte Klöße. Gerollt vom Vadder. Morgen gibt es den Kartoffelsalat so wie ihn meine Oma immer gemacht hat. Es gibt einen Baum. geschmückt von meiner Mutter. Sie wird aufgeregt sein, weil wir seit Langem mal wieder bei ihr sind. Alle sind da. Das haben wir ihr versprochen. Der Kamin wird bestimmt in Szene gesetzt. Der obligatorische Bärenfellwitz wird fallen. Jap, natürlich von meinem Vater. Wir werden trotzdem lachen, ein bisschen aufgesetzt angewidert gucken und prosten. Zum mindestens siebten Mal. Und zum Grünkohl. Mein Cousin wird bestimmt kurzerhand den Weihnachtsmann spielen. Mein kleiner Neffe wird sich schämend hinter seinen Vater verstecken. Bis dieser dann zu meinem Cousin muss, um seinem Kind Angst zu machen. Wir werden Karten spielen. Und uns anschreien. Laut anschreien. Weil wir enthusiastische Uno-Spieler sind. Alle. Und weiter prosten. Und Kartoffelsalat essen. Und Buletten. Bis irgendwann mein Vater seine edlen Tropfen auf dem Tisch verteilt. Tupperwaren-Style. Als würde er das ganze Jahr darauf warten. Nach dem viertelstündigen Vortrag erfolgt meist eine Verkostungsrunde. Doch doch, koste mal, der ist gut. Während die Großen also kosten, zerstören die Kleinen gerade ihre neuen Spielzeuge. Obwohl, da ist nur ein Kleiner mit Aggressionsproblemen. Der kleine Große wird in irgendeiner Ecke hocken und Comics lesen. Nerdstyle. Es wird bunte Teller geben. Und Stolle. Vermutlich alles vor dem Kartoffelsalat. Und irgendwann wird meine Schwester fragen, ob ihre Kids nicht bei den Großeltern übernachten können. Und noch während sie fragt, weiß sie schon die Antwort. Natürlich. Die Betten sind schon gemacht. Schlafenszeit für die Kinder heißt, Hochpegelzeit für die Erwachsenen. Ernste Themen werden ausgepackt. Denn darüber lässt sich bekannterweise besser betrunken reden. Und irgendwann wird geweint. Mindestens zwei Leute. Aber das ist ok. Das muss so sein.

Alles muss so sein.

Post from: 23.12.2013
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