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Gestern ist heute, nur anders.

Wir waren zwei, manchmal auch mehr. Freunde. Freunde, die alles teilten. Die zusammen Spaß hatten, Fangen spielten oder Baseball (einer hatte den Ball, einer den Schläger, einer den Handschuh, die anderen die blauen Augen). Wir lachten, tauschten Sticker und ließen abschreiben. Im Trösten waren wir gut und immer für einander da.
Wir nannten uns “Beste Freunde” und schrieben das in unsere Freundschaftsbücher, eingerahmt von kleinen rosa Herzen. Wir haben uns dafür Zeit genommen, für einander. Verabredungen per Telefon, treffen auf der Straße. Gummihopse und Klatschspiele, in denen Wilhelm Pieck vorkam.
Wir suchten nach vierblättrigen Klee, aber nicht nach dem Glück. Wir waren glücklich. Denn wir hatten den Kopf frei, frei für bunte Farben, kleine Dinge und gewöhnliche Sachen, die ungewöhnlich erschienen. Zählten die Punkte von Marienkäfern und nannten sie Mariechen. Malten mit Kreide Felder auf die Straße und sprangen von eins bis zehn. Immer wieder. Und die unzähligen Nachtwanderungen. Angst machte Spaß.

Manchmal gibt es Momente, in denen sehne ich mich nach diesen Augenblicken. Genau dann klingelt das Telefon. Oder ich bekomme eine Nachricht. Von meinen Freunden. Alten und neuen. Sie leben hier und woanders.
Wir lachen immer noch, nur ernster. Aus den Stickern ist Glitzer geworden und aus dem Sammelheft unser Gesicht, aus dem Abschreiben Geld leihen und aus dem Baseball Bierpong.
Wir suchen kein Klee mehr, aber nach dem Glück. Irgendwie zusammen und allein. Wir sind mal glücklich und mal nicht. Aus den besten sind enge Freunde geworden. Bei denen keiner den Kopf frei hat. Wir sind erwachsen geworden. Und die Probleme auch. Wir malen nicht mehr mit Kreide Felder auf die Straße, sondern mit unseren Gedanken Schlösser in die Luft. Gewöhnliche Sachen machen uns Angst. Angst macht uns Angst, und schon lange keinen Spaß mehr. Alles ist grau, nur manchmal bunt. Wir springen nicht mehr von eins bis zehn, sondern arbeiten von acht bis neun.
Wir lachen immer noch, und immer gemeinsam. Im Trösten sind wir sogar besser geworden. Wir teilen, nehmen uns die Zeit, die nicht da ist, für einander. Es ist wie damals, nur anders.

Danke dafür.

Post from: 24.08.2011
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