
Auszug
Es dauerte gefühlte 57 Tage. Mein Krempel aussortieren, in Kisten packen, aus Kisten wieder holen, weil man feststellt, dass so ein Klebeband essentiell ist. Man braucht es – jetzt und immer. Besonders aber jetzt. Und eine Schere. Und eigentlich will ich die andere Strickjacke doch mitnehmen. Ich brauche sie. Wo war sie? Eine kleine Hilfe für alle die irgendwann mal Kisten beschriften: das Label “Klamotten” macht sich nicht sooo gut. Nichts macht sich gut. Ich mache mich nicht gut – weder im Kisten packen noch im essentiellen Entscheiden. Was ich brauche, weiß ich nicht. Was ich habe, übersehe ich. Was ich will, vergesse ich. Das mag traurig klingen, ist es vermutlich auch. Ich fühle mich verwöhnt und unselbstständig – für 30 Sekunden. Dann packe ich weiter Kisten. Teile Zeug nach Lieblings-, Eventuell- und Pfff-nicht-unbedingt-Stapel ein. Das ist es also. Dein Leben in drei Kategorien. Wobei die Unentschlossenheitskiste einen eigenen LKW bräuchte. Keine Entscheidung ist meine Entscheidung. Fabelhaft. Wenn das so weitergeht, bekomme ich vielleicht ein Kind.
Umzug
Vom Kind wieder zu den Kisten und wieder zu den wundervollen Kindern der Eltern meiner Freunde. Sie wussten nicht worauf sie sich einlassen und sie haben es trotzdem getan. Dafür mag ich sie. Sehr sogar. Es war Samstag. Früh um neun. Und es war Samstag. Und sie kamen und packten an. Und ich freue mich schon jetzt darauf, wenn ich für sie schwitzen darf. Das mag übertrieben romantisiert klingen, tut es auch. Aber ich befinde mich gerade in einer sentimentalen Phase und trotzdem meine ich es so – mit jedem Schweißtropfen. Meine fleißigen Drohnen flogen und summten während die Königin delegierte. Nein, ganz so schlimm war es nicht. Sage ich jetzt.
Abgesehen davon, dass die Küche leicht überschwemmt und stinkend zurückgelassen wurde, die Löcher noch Löcher waren und überraschende Flecken an der Wand auftauchten, war alles super. Super schnell vor allem. Keine Zeit zum Realisieren.
Einzug
Das Glück des 2. Stocks blitzte ein wenig in jedem Auge. Vielleicht lag es auch an dem erspähten Bierkasten. Vermutlich wollte aber jeder einfach nur wieder nach Hause. So oder so war ich sehr dankbar. Dankbar, dass sie sich aus dem Bett quälten, Kisten schleppten und sich in die Hermannstraße trauten. Die neuen Dielen waren bereits vertraut und das machte es komisch. Neues Vertrautes. Mein Kopf war durcheinander. Mein Körper wusste nicht, ob er hier hin gehörte. Meine Koffer waren schon gepackt. Umzugsgepackt und irgendwie abreisebereit.
Ich war schon ein kleines Stück in Amsterdam.

